Willi & Ernst brachten Waldbreitbach zum Toben

Selten war die Stimmung im Rittersaal des Hotels zur Post so humorvoll aufgeladen wie am Sonntagabend (17. März). Das lag sicher nicht nur an den zahlreich anwesenden Hausener Möhnen, die das Künstler-Duo aus ihrer Karnevalssitzung schon kannten, sondern auch an der Spielfreude der beiden Koblenzer, die selbst sehr viel lachen mussten.

willi und ernst waldbreitbach

Willi & Ernst auf der Waldbreitbacher Theaterbühne. Fotos: Wolfgang Tischler

Waldbreitbach. Ernst alias Markus Kirschbaum improvisierte in Stand-up-Comedy-Manier immer wieder und brachte damit seinen Partner Willi alias Dirk Zimmer aus dem Konzept und zum Lachen, sodass dieser sich an Geschäftsführer Hajo Reuschenbach wandte mit der Frage: „Wenn die Künstler auf der Bühne noch mehr Spaß haben als das Publikum, kriegen wir dann trotzdem Kohle?“

Gleich zu Beginn stellten die beiden Rentner aus Leidenschaft erfreut fest, dass die Waldbreitbacher es den Gästen vom Deutschen Eck gemütlich gemacht und extra Hochwasser besorgt hatten. Voller Elan und Überzeugung gingen die Singles im ausverkauften Saal auf Partnersuche. Willi, der „Ladenhüter von Parship“ im Norwegerpullover, aber ohne Hintern in der Hose wollte von seinem besten Freund Ernst lieber „heiße Wildsau“ als „Frettchen“ genannt werden. Ernst seinerseits hoffte auf Mund-zu-Mund und Becken-zu-Becken-Beatmung durch anwesende Pflegekräfte der Pflegestufe sex.

Das „gefährliche Halbwissen“ im Programm der Schauspieler bezog sich auf Wunderheilungen durch Jesus, nicht mehr haltbaren Joghurt, die Apothekenumschau, Zeugen Jehovas in der Seniorenresidenz, die alte Fregatte Ursula von der Leyen, das Glück mancher Männer, Nasenaffen, Physik-Studium und Mengenlehre. Besonders Ernst erwies sich in Mathematik als geniale „Konifere“, seine Gegenrechnungen gingen immer auf, völlig unverständlich, warum das Minus aus seiner Zeit als Kassierer beim Kästchen-Club immer noch auf dem Konto der Altenheim-WGler ist.

Der belesene Ernst konnte treffsicher und witzig Zitate zuordnen, aber zum Schreien komisch war seine „Rotkäppchen“-Erzählung, weil sie ständig durch Zwischenfragen und ergänzende Witze seines Partners unterbrochen wurde, sodass Ernst sich gar nicht „konzentratieren“ konnte. Weil er „wuschig wie ein Eichhörnchen“ war, machte er im Umgang mit Hildegard, der digitalen Stimme des intelligenten Hauses Fehler und stellte frustriert fest: „Hausarzt, Krankenkasse und Kühlschrank stecken unter einer Decke!“

Willi, die Mischung aus Roger Moore und Florian Silbereisen, erklärte seine Gemeinsamkeit mit dem Sänger: „Wir sind beide Singles, wir können gemeinsam atemlos durch Waldbreitbach ziehen.“ Seine Traumfrau fand er tatsächlich noch im Publikum: Gudrun aus Frankfurt-Kelsterbach, der Willi & Ernst als Zugabe ein Lied darbrachten.

Mit Standing Ovations und Zugaben-Forderungen quittierten die Zuschauer zwei Stunden Dauerlachen.

Willi und Ernst entern den Postweiher in Freilingen

Als Willi und Ernst die Bühne der „Kulturarena“ am Postweiher in betraten, konnte niemand der Besucher ahnen, was da in den nächsten zwei Stunden auf ihn hernieder prasselte. Die beiden Original „Kowwelenzer Schängelche“ trieben ihren Unfug bis auf die Spitze, verschonten dabei nicht ihre Gäste, vor allen Dingen auch sich nicht selbst. Ein wahres Feuerwerk an Gags, total verrückten Geschichten, Sprüchen, die in ihrer Nichtsnutzigkeit nicht zu toppen waren, erzeugten wahre Lachsalven beim Publikum.

Willi und ernst postweiher

Willi und Ernst begeisterten ihr Publikum. Fotos: wear

Freilingen. Beide Comedians nahmen sich selbst auf die Schippe, spielten aber auch mit ihrem Publikum. Es konnte jeden treffen, der sich gerade im Blickfeld von Ernst oder Willi befand. Stand up Comedy vom Feinsten, ohne Anspruch auf Wahrheitsgehalt ihrer meistens irrwitzigen Behauptungen und Erklärungen. Den meisten Spaß hatten die Zuschauer natürlich, wenn die Beiden sich ein „Opfer“ im Publikum ausgesucht hatten und es mit Sprüchen überzogen. Die lautesten Lacher konnten genauso gut 20 Sekunden später selbst im Mittelpunkt stehen, keiner war vor ihnen sicher.

Schon zu Beginn „mokierten“ sich Willi und Ernst beim Betreten der kleinen Bühne, sie hätten gedacht, als die Einladung nach Freilingen in die „Kulturarena“ erfolgte, sie würden in eine Arena mit 10.000 Zuschauern auftreten. Gut, da kann man beide gut verstehen, vor der einfachen Bühne auf dem Platz am Strandbad in Freilingen standen für die Besucher Kirmesbänke in Reih‘ und Glied aufgestellt. Zugegeben, mit der Lanxess-Arena in Köln hatte das wenig zu tun. Jedoch haben die Kölner keine „Arena“, die direkt am Wasser liegt und die untergehende Sonne sich im Wasser widerspiegelt. Kurzum, es herrschte allerbeste Stimmung, die ohne Pause von Willi und Ernst befeuert wurde.

Kalauer, Witze, verklausulierte Sprachschöpfungen ohne Tiefgang, gepaart mit einer komödiantischen Mimik, riss die Zuschauer immer wieder zu Beifallsstürmen hin, wenn sie denn vor lauter Lachen zum Klatschen kamen. Sie erzählten sich teils unglaubliche Situationen aus dem Alltagsleben. Ein Beispiel: Willi: „Wenn ich deiner Frau ein Kind mache, sind wir dann verwandt?“ Darauf Ernst: „Nee, aber quitt.“ Oder es unterhalten sich zwei Eskimos, fragt der eine“ Sach‘ ma‘, wo is denn eigentlich dein Iglo?“ Sagt der andere: „So ein Mist, ich hab‘ vergessen, das Bügeleisen auszustellen.“

Als Willi und Ernst sich beklagten, dass sie „unterhopft“ wären, was nichts anderes heißt, als dass sie nichts zu trinken hätten, sprang Josef Hülder, der Vorsitzende des Kur- und Verkehrsvereins Freilingen, dienstbeflissen auf und schleppte für die beiden Kowwelenzer Original Königsbacher Bier herbei. Natürlich feixten beide darüber: „Königsbacher Pils im Hachenburger Land, wie geil ist das denn?“ Der nächste Brüller folgte als Ernst die Zuschauer fragte, was ein Fuchs morgens in einen Hühnerstall brüllt. Die Antwort: „Raus aus den Federn.“

Um die ganzen Gags von Ernst und Willi aufzuzählen, reicht an dieser Stelle der Platz nicht. Sie testeten sich auch auf literarischen Gebiet, wobei Willi immer den Oberschlau abgab. Ernst sollte berühmte Sprüche aus der Weltliteratur dem Urheber zuordnen. Zum Beispiel: „Ein Pferd, ein Pferd, ich glaube, mich tritt ein Pferd.“ Darauf Ernst „Alwin Schockemöhle.“ Weiteres Beispiel: Wer hat gesagt „Das ist des Pudels Kern?“. Ernst: „Die Jacob Sisters.“

Dann wurden auch die Veranstalter vom Kur- und Verkehrsverein geadelt, Freilingen wäre mit seinen Seefestspielen das Bregenz des Westerwaldes. Ein absoluter Höhepunkt war der Auftritt von Ernst, der einmal im Leben als Rockstar die Frauen „wuschig“ machen wollte. Als er zur Musik von AC/DC und „Highway to Hell“ die Bühne betrat, wurde er mit Plüschtieren, Unterwäsche und BHs beworfen, diese Sachen hatte Willi vorher ans Publikum verteilt. Das Publikum flippte bei dieser Rock-Sensation aus.

Aus dem Stegreif sang Willi im Laufe des Abends einer Zuschauerin ein Liebeslied nach der Melodie von „I did it my way“ von Frank Sinatra. Vorher fragte er die Dame, welches Hobby sie habe, woher sie käme, und welches Gemüse sie am liebsten essen würde. Aus ihren Antworten sang er auf Deutsch einen Song, der den Zuschauern die Lachtränen in die Augen trieb.

Nach der unverzichtbaren Zugabe wurden die beiden Comedians mit rauschendem Beifall von den restlos begeisterten Zuschauern verabschiedet. Zwei Stunden Quatsch und Nonsens waren wie im Fluge vergangen. Wenn es stimmt, das Lachen gesund macht und hält, dann sieht es in der nächsten Zeit für die Ärzte im Westerwald schlecht aus.

Das sind Wir!

Dirk Zimmer Markus Kirschbaum

Die Menschen hinter Willi & Ernst: Dirk Zimmer & Markus Kirschaum

Willi & Ernst erhalten Kulturpreis der Stadt Koblenz

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kulturpreis willi und ernst